Korallen-Laichsaison hat begonnen
Von Oktober bis März erleben die Korallenriffe an der ostafrikanischen Küste eines der bemerkenswertesten Ereignisse im marinen Jahreskalender: das massenhafte Korallenlaichen. In dieser Zeit geben viele Korallenarten ihre Fortpflanzungszellen, sogenannte Gameten, in einem synchronisierten Ereignis ins Wasser ab – und genau das passiert gerade jetzt an unserem Projektstandort in Sansibar.

Ein Jahr der Vorbereitung
Unser Korallen-Laichprojekt, unterstützt und finanziert vom Zoo Basel, startete im Oktober 2025. Im ersten Projektjahr hat unser Team gemeinsam mit der Wisseschaftlerin Dr. Ashlee Lillis intensiv daran gearbeitet, die Grundlagen für die Erforschung und Wiederherstellung der Korallenfortpflanzung zu legen. Wir konnten Laichereignisse erfolgreich beobachten und wertvolle Daten sammeln – Daten, die es uns nun ermöglichen, in dieser Saison in die nächste Projektphase zu starten.
Warum Korallenlaichen so schwer zu beobachten ist
Die meisten riffbildenden Korallen sind sogenannte Breitstreu-Laicher (broadcast spawner): Statt sich kontinuierlich fortzupflanzen, laicht eine einzelne Kolonie in der Regel nur einmal pro Jahr, und das auch nur für ein Fenster von wenigen Minuten, an einem bestimmten Datum und zu einer bestimmten Tages- oder Nachtzeit. Dieses Timing wird durch Umweltfaktoren gesteuert – vor allem durch die Wassertemperatur und den Mondzyklus, wobei die meisten Laichereignisse einige Tage nach Vollmond, nach Sonnenuntergang stattfinden.
Weil dieses Zeitfenster so eng ist, gehört die genaue Vorhersage, wann eine Kolonie laichen wird, zu den grössten Herausforderungen in der Korallenfortpflanzungsforschung. Genau deshalb waren die Beobachtungen aus dem letzten Jahr so wertvoll: Indem wir festgehalten haben, welche Kolonien an welchen Daten und zu welchen Zeiten gelaicht haben, konnten wir einen Datensatz aufbauen, der uns hilft, die diesjährigen Ereignisse mit deutlich grösserer Präzision vorherzusehen und uns darauf vorzubereiten.

Von Gameten zu Korallen-Babys: So funktioniert es
Sobald wir das voraussichtliche Laichfenster einer Kolonie identifiziert haben, bereitet unser Team die Sammelwerkzeuge vor und fängt die freigesetzten Gameten (Eizellen und Spermien) direkt aus der Wassersäule auf.
Die Gameten werden anschliessend in Behältern mit Meerwasser zu unserem Labor vor Ort transportiert, wo Eizellen und Spermien verschiedener Kolonien gemischt werden, um die Befruchtung zu ermöglichen. Diese koloniebergreifende Vermischung ist ein zentraler Teil des Prozesses: Sie erhöht die genetische Vielfalt der entstehenden Nachkommen, was essenziell ist, um eine Korallenpopulation aufzubauen, die künftigen Belastungen wie Hitze und Korallenbleiche besser standhalten kann.
Im Labor entwickeln sich die befruchteten Eizellen zu frei schwimmenden Korallenlarven, die unser Team unter dem Mikroskop beobachtet. Sobald die Larven das passende Entwicklungsstadium erreicht haben, werden sie zurück ins Meer in unsere Aufzuchtbecken (Nurseries) gebracht, wo sie in feinmaschigen Netzbeuteln untergebracht werden. Dort beginnen sie, eine Oberfläche zum Anheften zu suchen – ein Prozess, der Ansiedlung (Settlement) genannt wird.
Neue Riffe entstehen beobachten
Larven, die sich erfolgreich ansiedeln, heften sich an Substrate, die wir eigens für diesen Zweck entwickelt haben. Verläuft die Ansiedlung erfolgreich und überlebt die junge Koralle ihre verletzlichste erste Zeit, werden innerhalb der folgenden Monate kleine Korallen-Jungtiere sichtbar – das erste sichtbare Zeichen einer völlig neuen Riff-Generation.
Das langfristige Ziel ist es, eine Korallenpopulation heranzuziehen, die von Elternkolonien abstammt, die bereits frühere Bleichereignisse überlebt haben – was dieser nächsten Generation einen genetischen Vorsprung in Sachen Widerstandsfähigkeit verschafft und zu einem gesünderen, anpassungsfähigeren Riff für die Zukunft der Küste Sansibars beiträgt.
